Kindesmisshandlung

Die Zahlen zeigen es. Kindesmisshandlung ist auch in der Schweiz traurige Realität. Davon gesprochen wird jedoch selten. In der Literatur wird der Begriff Kindesmisshandlung folgendermassen definiert:

Kindesmisshandlung ist eine nicht zufällige, gewaltsame psychische und/oder physische Beeinträchtigung oder Vernachlässigung des Kindes durch Eltern, Erziehungsberechtigte oder Dritte, die das Kind schädigt, verletzt, in seiner Entwicklung hemmt und im Extremfall zu Tode bringt.

 

Viele Menschen denken beim Wort „Kindesmisshandlung“ an die rohe, körperliche Gewalt. Dies ist jedoch nur eine Form unter vielen. Es können folgende Formen unterschieden werden:

 


Körperliche (physische) Misshandlung

Schläge oder andere gewaltsame Handlungen (z. B. Tritte, Stösse, schütteln, Verbrennungen, Würgen, Stiche oder andere Gewalttätigkeiten), die beim Kind zu körperlichen Verletzungen führen, zählen zur physischen Misshandlung. das Münchhausen-by-proxy-Syndrom stellt eine spezielle Form der körperlichen Misshandlung dar. Dabei werden durch die Bezugsperson Krankheitssymptome beim Kind vorgespiegelt oder künstlich erzeugt (z. B. durch die Verabreichung von Medikamenten). Dadurch werden diagnostische Interventionen und inadäquate therapeutische Massnahmen durchgeführt.

 


Sexueller Missbrauch

Diese Misshandlungsform umfasst jede sexuelle Handlung, die an oder vor einem Kind entweder gegen seinen Willen vorgenommen wird oder der das Kind aufgrund seiner körperlichen, emotionalen, geistigen oder sprachlichen Unterlegenheit nicht wissentlich zustimmen kann. Der Täter nützt die ungleichen Machtverhältnisse aus. Zentral ist dabei die Verpflichtung zur Geheimhaltung, die das Kind zur Sprachlosigkeit, Wehrlosigkeit und Hilflosigkeit verurteilt. 


Der sexuelle Missbrauch umfasst unter anderem: anale, orale und vaginale Penetration, Masturbation durch oder vor dem Kind, Berührungen im Intimbereich, sexualisierte Küsse, Exhibitionismus, Konfrontation mit Pornografie, Voyeurismus oder Einführung in die Prostitution.

 


Seelische (psychische) Misshandlung

Unter psychischer Misshandlung versteht man die ausgeprägte Beeinträchtigung und Schädigung der Entwicklung von Kindern aufgrund von:

• Ablehnung

Dem Kind werden Zuwendung, Zärtlichkeit und Sicherheit dauerhaft verwehrt.

• Ignorieren

Die Bezugspersonen sind zwar körperlich anwesend, entziehen sich aber dem Kind psychisch.

• Demütigung

Das Kind wird kontinuierlich beschimpft und kritisiert.

• Terrorisierung

Das Kind wird in Angst versetzt, um seinen Willen zu brechen.

• Isolation

Das Kind wird von Aussenkontakten abgekapselt.

• Korrumpieren

Dem Kind werden erwachsene Verhaltensweisen aufgezwungen.

• Starkes Behüten und erdrücken des Kindes mit Fürsorge

Das Kind wird in seinen Entfaltungsmöglichkeiten behindert.



Vernachlässigung

Man spricht von Vernachlässigung, wenn Kinder durch die sorgeberechtigten und –verpflichteten Personen in ihrer Entwicklung beeinträchtigt oder geschädigt werden. Dies geschieht aufgrund unzureichender Pflege, mangelnder Ernährung, mangelnder gesundheitlicher Fürsorge, nachlässigem Schutz vor Gefahren sowie nicht hinreichender Anregung und Förderung motorischer, geistiger, emotionaler und sozialer Fähigkeiten. Auch die Wohlstandsverwahrlosung zählt zur Vernachlässigung. In diesem Fall sorgen die Eltern zwar für das materielle Wohl der Familie und der Kinder, es fehlt jedoch an Liebe und emotionaler Zuwendung.