Therapie


Eine Misshandlung kann meist nicht ohne Hilfe überstanden werden. Wenn die Betroffenen bereit sind, begeben sie sich in eine psychotherapeutische Behandlung, um Schritt für Schritt das Erlebte zu verarbeiten.


Ein möglicher Therapieverlauf


1. Phase

In einer ersten Phase ist das Ziel der Traumatherapie - ganz wie in der medizinischen Notfallversorgung - die Stabilisierung. Dabei geht es zunächst darum, das Vertrauen in andere Menschen und in sich selbst wiederzugewinnen sowie innere Ressourcen und Kraftquellen anzuzapfen. Bei seelisch schwer verletzten Kindern kann sich diese Phase über Jahre hinausziehen. Dabei helfen heilsame Vorstellungen, Achtsamkeits- und Imaginationsübungen. So können Kinder Gefühle wieder besser wahrnehmen und kontrollieren.


Eine gute Unterstützung in der Therapie von traumatisierten Kindern ist die Musiktherapie. Dabei können die Kinder ihre Gefühle mithilfe verschiedener Instrumente ausdrücken. Im gemeinsamen Spiel mit dem Therapeuten entsteht ein nonverbaler Dialog und es kann Vertrauen wachsen.
In allen Phasen der Behandlung werden immer wieder die Eltern und andere Bezugspersonen einbezogen, die das Kind in seinem Heilungsprozess unterstützten können.


Die "Psychodynamische Imaginative Traumatherapie für Kinder und Jugendliche" (PITT-KID) setzt dabei beispielsweise darauf, die jungen Patienten in die Gestaltung der Therapie intensiv mit einzubeziehen. Dabei machen sie die Erfahrung, sich selbst helfen zu können. So überwinden sie ihre Ohnmachtsgefühle und gewinnen dabei das Vertrauen in die eigenen Kräfte und Einflussmöglichkeiten zurück.


Neben der Stabilisierung der Persönlichkeit geht es in dieser Phase auch darum, einen inneren Abstand zu den traumatischen Erlebnissen zu gewinnen. Der junge Patient lernt, sich von den inneren Horrorbildern zu distanzieren und Gefühle besser zu kontrollieren.


In der PITT-KID wird dabei viel mit dem verletzten jüngeren "Ich" des Kindes gearbeitet. Viele der kleinen Opfer fallen beispielsweise auf einen früheren Entwicklungsstand zurück, sie sprechen vielleicht in der Kleinkindsprache, Nuckeln am Daumen oder nässen sich wieder ein. Dahinter stecken Bewusstseinsanteile, die sich in der Zeit der traumatischen Erfahrung abgespalten haben, und seither ein Schattendasein im Bewusstsein führen. Die Arbeit mit dem verletzten "Inneren jüngeren Kind" kann helfen, entscheidende seelische Heilungsprozesse anzustoßen.


2. Phase

Wie in der Trauma-Therapie von Erwachsenen ist in der zweiten Stufe die sogenannte Konfrontation mit dem Trauma möglich. Diese kann aber erst in Angriff genommen werden, wenn die Patienten gut stabilisiert sind. Dabei geht es um eine behutsame Wiederbegegnung mit dem traumatischen Erlebnis. Diesem kann so sein Platz in der Vergangenheit zugewiesen werden, sodass es seine Macht über die Gegenwart verliert. So verschwinden auch die Flashbacks, die den Patienten das schreckliche Erlebnis wieder und wieder erleben lassen.


3. Phase

Die dritte Phase dient dazu, das Erlebte als Geschehen zu akzeptieren und das Unabänderliche in die eigene Lebensgeschichte zu integrieren. Dazu gehört auch die Auseinandersetzung mit Gefühlen wie Wut auf den Täter oder Trauer, beispielsweise um den Verlust der eigenen kindlichen Unbefangenheit und Arglosigkeit. Schließlich stärkt diese Phase die Fähigkeit, die Zukunft als eine Zeit zu sehen, die der junge Patient frei gestalten und mit Leben füllen kann.